März 31, 2008, 6:38 Uhr vormittags
Gespeichert unter: Politik | Schlagworte: Provokation, Satanische Verse
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Und nun also das gefährlichste, berühmteste, berüchtigste und zugleich am wohl wenigsten gelesene Buch der Welt in einem beschaulichen Stadttheater vor den Toren der deutschen Hauptstadt. „Das finde ich nicht mutig, sondern selbstverständlich, behauptet in gespielter Gelassenheit Regisseur Uwe Eric Laufenberg, zugleich Intendant des für spektakuläre Projekte bekannten Theaters.
Zwar riet Zentralrat der Muslime in Deutschland vor der Premiere zur Gelassenheit auf, der deutsche Islamrat jedoch lehnte die Veranstaltung als Provokation ab. Die Polizei zeigte diskrete, die Medienvertreter hingegen zeigten deutlich Präsenz.
Muslime sind also in der deutschen Gesellschaft angekommen. So sehr sind sie angekommen, dass sie wegen eines Theaterstückes zur Gelassenheit, nicht zur gespielten(?), aufgerufen werden müssen. Ja, wieso, wenn doch alle Muslime friedlich sind in Deutschland, wozu muss da zur Gelassenheit aufgerufen werden? Sind sie vielleicht nicht so friedlich, sondern eher wie tolle Hunde, die der Besitzer besänftigen muss, wenn der Postbote kommt. “Ruhig, Pluto, brav - kommen Sie immer nur herein, mein Hund beisst nicht, jedenfalls nicht, wenn ich dabei bin!”
Und natürlich ist das Stück eine Provokation. Das war schon immer so, seit es Theater gibt im europäischen Raum. Das gehört zur europäischen Geschichte. Und es gab europäische Regierungen, die haben die Aufführung von Stücken verboten, weil sie an ihrer Macht rüttelten.
Aber zum Glück haben wir das überwunden, bis Ihr kamt, Ihr jammervollen, rückständigen Personen, die Ihr uns die Ohren vollgreint, dass Das eine Provokation ist und Jenes und dass Ihr Respekt wollt. Ja, wofür eigentlich?
Die Gerichtsbarkeit der Bühne fängt an, wo das Gebiet der weltlichen Gerichte sich endigt. Wenn die Gerechtigkeit für Gold verblindet und im Solde der Laster schwelgt, wenn die Frevel der Mächtigen ihrer Ohnmacht spotten und Menschenfurcht den Arm der Obrigkeit bindet, übernimmt die Schaubühne Schwert und Wage und reißt die Laster vor einen schrecklichen Richterstuhl. Das ganze Reich der Phantasie und Geschichte, Vergangenheit und Zukunft stehen ihrem Wink zu Gebot. Kühne Verbrecher, die längst schon im Staub vermodern, werden durch den allmächtigen Ruf der Dichtkunst jetzt vorgeladen und wiederholen zum schauervollen Unterricht der Nachwelt ein schändliches Leben. Ohnmächtig, gleich den Schatten in einem Hohlspiegel, wandeln die Schrecken ihres Jahrhunderts vor unsern Augen vorbei, und mit wollüstigem Entsetzen verfluchen wir ihr Gedächtniß. Wenn keine Moral mehr gelehrt wird, keine Religion mehr Glauben findet, wenn kein Gesetz mehr vorhanden ist, wird uns Medea noch anschauern, wenn sie die Treppen des Palastes herunter wankt und der Kindermord jetzt geschehen ist. Heilsame Schauer werden die Menschheit ergreifen, und in der Stille wird jeder sein gutes Gewissen preisen, wenn Lady Macbeth, eine schreckliche Nachtwandlerin, ihre Hände wäscht und alle Wohlgerüche Arabiens herbeiruft, den häßlichen Mordgeruch zu vertilgen. So gewiß sichtbare Darstellung mächtiger wirkt, als todter Buchstabe und kalte Erzählung, so gewiß wirkt die Schaubühne tiefer und dauernder als Moral und Gesetze. (Schiller)
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=2399&kapitel=1#gb_found
Provokation: Etwas tun oder sagen, das Muslimen nicht passt. Der Vorwurf der “Provokation” dient in der Regel als Rechtfertigung von Überreaktionen, von Gepöbel bis Mord. Meist nach dem Muster “Wenn ihr Karikaturen publiziert, die wir nicht mögen, dann müsst ihr euch nicht wundern, wenn Extremisten eine Bombe legen.”
http://nebeldeutsch.blogspot.com/2006/04/wrter-20.html
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