Die DDR lebt!


Redaktionsumbesetzungen
April 14, 2008, 5:10
Gespeichert unter: Geschichte, Storys | Schlagworte: ,

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Ich habe gestern mal in alten “Simplicissimus”-Ausgaben gestöbert und weil so furchtbar viel gedacht wird, um diese Zeit, die Einen gedenken der Heldentaten ihrer Vorfahren im Reichstag und die Anderen der Schandtaten der Reichsbahn, gedenken wir einfach mal der Zeitungsschreiber, von denen sich doch wirklich und wahrhaftig nicht alle in den Dienst des Totalitarismus gestellt haben und entlassen wurden.

Donnerwetter, das müssen Zeiten gewesen sein, als Journalisten aufstanden und riefen, dass sie das nicht mitmachen, das Bejubeln der Ideologie des Nationalsozialismus. Wohingegen heute…. Heute bäumt sich doch nur jemand auf, wenn ein Anverwandter den modernen SA-Schlägertrupps in die Hände fällt, mit ihrem “Gott ist grösser!” oder sie selbst mit ihnen zusammenstossen. Und natürlich gab es auch eine Erklärung zur Zeit:

Erklärung! Schon einmal beim Beginn und im Verlauf des Weltkrieges, hat der „Simplicissimus“, der als Kampfblatt gegründet wurde, bewiesen, dass er nicht bloss kritisch und negativ, sondern sehr nachdrücklich positiv sein kann: Wenn es sich nämlich um Deutschland handelt. So sind denn auch die Ereignisse der letzten Monate nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Wieder handelt es sich um das nach langen Wehen und Wirrnissen jetzt zu sich selbst erwachte neue Deutschland. Ihm und seinen grossen Zielen im Innern wie nach außen auf seine Art zu dienen, sieht der „Simplicissimus“, nach einer grundlegenden Umbesetzung der Redaktion, als seine vaterländische Pflicht an. München, 16.04,1933

http://swk-web1.weimar-klassik.de/simplicissimus/38/38%2003.pdf

Was ich mich da gefragt habe, und ich bin ja noch nicht solange Bürger der Bundesrepublik, wann haben eigentlich die ganzen Printmedien und Fernsehanstalten erklärt, dass sie sich ab sofort in den Dienst der totalitären Ideologien des Marxismus und des Islam stellen? Und hat noch jemand den genauen Wortlaut da? Das würde mich persönlich nämlich sehr interessieren.


3 Kommentare bis jetzt
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Ich oute mich auch als Simplicisimus Leser ;-)

Die Redaktionsumbesetzung hatte aber einen anderen Grund. Nach der Machtübernahme wurden alle Nichtarischen Redakteure entlassen. Es war weniger ein “Aufstand der Anständigen” als eine lange geplante Abwicklung durch die Unanständigen.

Tragischerweise hatten zu dieser Zeit die meisten Juden noch Vertrauen in den deutschen Staat. Nicht nur die dummen, sondern gerade die “Intelligenten” dachten, dass auch sie im Dritten Reich überleben können. Sie dachten, dass man sie als Lehrer, Wissenschaftler und Ingenieur weiter brauchen wird. Ein verhängnisvoller Fehler!

Kommentar von Prosemit April 14, 2008 @ 7:41

…ich hatte das Gefühl, dass diese Brent Spar-Geschichte mit den breiten Protesten und Boykotten zum erstenmal so richtig dazu fühte, dass die Zeitungen Blut leckten und merkten, wie schön man mit “agit prop”-pigen Attitüden Moos machen konnte. Dann kam die Besetzung Kuwaits durch Saddam und als die Amis da reingingen kam es zu einer Art 2. Brent Spar (Kein Blut für Öl) und weitere Anbiederung am Polit-Gesinnungs-posendem Gesinde….danach war erstmal Ruhe. Man genoss sich an der unblutigen Wiedervereinigung und machte daraus wohl intern die Lehre Gewalt führt zu nix. Und in dem ganzen Jahrzehnt waren die Vorfälle von Hoyerswerda und Rostock wirklich die
grössten mit Migrationshintergrund. Man konnte ein Jahrzehnt lang klugscheissernd und gutmenschelnd auf Gewalt verzichten. Kleinkrieg war immer woanders. …und 911 brachte dann erstmal ein
strammes Zusammenrücken gegen das Böse in der Welt : sprich George Bush. …ich glaube, es war der 11. September , als die Medien beschlossen sich gegen die Freiheit zu stellen. und im Zuge der Mitsprache durch entstehende Internetforen auch zum ersten mal zeigen konnten, was sie unter Demokratie verstanden … Im Herbst 2001 kamen 2 Sachen zusammen. Breiteres Internet, durch die
Dotcom-Spekulationsversprechungen , und eben die Vernichtung des WTC.
Ab da hatten die Medien wirklich nur eine Wahl dafür oder dagegen, simpel “ja oder nein”. Also entschieden sie sich in guter alter Tradition mal wieder für das Falsche.

Kommentar von wolaufensie April 14, 2008 @ 8:06

Sehr aufschlussreich, nicht nur der Artikel auch die beiden Kommentare. Die Zusammenhänge im ersten Kommentar waren mir bekannt, gut nochmal darauf hinzuweisen.

@wolaufensie
Hmm, interessant dieses “Kalendarium”. Könnte so sein mit den zeitlichen Zusammenhängen. Mein Bauchgefühl sagt mir aber, das es mediale Claquere schon vorher reichlich geb und sie den Mächtigen zugeschrieben haben. Wirkliche Antimainstreamjournalisten gab es immer wenig —bis gelegentlich gar nicht.

Kommentar von Robin Renitent April 14, 2008 @ 11:20



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