Die DDR lebt!


politische Ökonomie des Sozialismus
April 17, 2008, 6:10 Uhr vormittags
Gespeichert unter: Politik | Schlagworte: ,

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Die Tagesschau erklärt: Kapitalismus ist schtonk, freier Warenverkehr ist schtonk, der Markt ist schtonk und was am widerwärtigsten ist, ist der westliche Mensch. Denn der hat es geschafft, sich jeden Tag einen vollen Teller mit Fleisch und Gemüse auf den Frühstücks-, Mittags- und Abendbrotstisch zu stellen und deswegen hungert der Rest der Welt. Und der Rest der Welt hungert, weil sein Schlachtvieh den armen, armen Leuten das Getreide wegfrisst. Das ist die Kurzfassung: Wir sind schlecht, schlecht, schlecht. Und hier die lange Fassung, für Intellektuelle, die ich mir erlaubt habe, zu kommentieren(meinen Senf dazugeben):

Hunger gäbe es auch ohne Biosprit

Hunger gibt es auch ohne Biosprit. Hunger gibt es, seit Menschen existieren. Das mal nur am Rande. Hunger gibt es, solange Leben existiert. Nun, vielleicht knurrt dem Hecht nicht der Magen, aber wenn er sich nicht aufmacht, einen Karpfen zu fangen, dann geht er zugrunde, falls er wartet, bis eine Hilfsorganisation für hungrige Hechte auftaucht.

Der weltweit starke Preisanstieg für Lebensmittel ist nicht nur in Biospritproduktion begründet. Auch ein Angebotsrückgang und zunehmender Wohlstand in vielen Ländern tragen zur Kostenexplosion bei. Doch ohne die Spekulanten wäre alles nur halb so schlimm.

Kurz gesagt, knallt die Spekulanten ab. Oder beseitigt das System, das Spekulanten hervorbringt.

Von Werner Eckert, SWR

Und wenn kein Tropfen Biosprit mehr erzeugt würde, gäbe es trotzdem Hunger auf Haiti. So einfach ist die Sache nicht. Biosprit ist eine - aber nicht die wichtigste - Ursache der aktuellen Krise. Da kommt einiges an tatsächlichen Veränderungen weltweit zusammen. Aber alle zusammen erklären die Preisexplosion, über die jetzt alle jammern, nicht. Die ist ein Produkt der Spekulanten. Die Börse wirkt wie ein riesiger Hebel für die tatsächlichen Probleme.

Aha, die Börse, sicher eine Erfindung des Kapitalismus. Will die Bahn-AG nicht an die Börse? Dort spekulieren? Wenn das mal nicht den Hunger verstärkt. Und was ist mit all den kleinen Aktionären und Fondinhabern in Deutschland? Oder spielt man nur nicht mit dem Essen? Schön, wenn man so moralisch sein kann. Mich würde mal interessieren, ob Herr Werner Eckert auch zu denen gehört, die in ihrer Altersvorsorge auf Aktien und Fonds gesetzt haben in der Hoffnung, sie werden hoch gehandelt.

Und die Tatsache, dass die Preise gegen die Decke knallen, legt offen, was auch schon lange bekannt ist: Hunger ist ein Armutsproblem. Es gibt genug Nahrungsmittel – zwar nicht immer und überall, aber grundsätzlich.

Falsch. Hunger ist das Problem von Leuten, die nicht arbeiten oder die kein Einkommen erzielen oder deren Einkommen so gering ist, dass es nicht reicht für den Kauf von Lebensmitteln. Wenn Dorfbevölkerung keine Nahrungsmittel anbaut, dann können auch keine zum Verzehr wachsen. Wenn Menschen ihre Arbeitskraft anbieten, die aber keiner haben will, müssen sie hungern. Wenn die Lebensmittelpreise so gestiegen sind, dass das karge Einkommen nicht reicht, dann ist die Frage, warum sind sie so gestiegen? Wohl, weil eine erhöhte Nachfrage danach besteht. Dann muss sich der Mensch aber die Frage stellen, was kann er tun, um sein Einkommen zu steigern, damit er wieder essen kann.

Ursachen für die Krise

Die aktuelle Krise hat mehrere Ursachen: Die Agrarpolitik der großen Blöcke, die ehemals vorsätzlich Überschüsse erzeugten, ist zu Ende. Auch die große Nachfrage aus Ländern wie China und Indien, wo endlich ein bisschen Wohlstand einkehrt und wo die Menschen ein bisschen von dem haben wollen, was wir uns schon lange rausnehmen. Und da zeigt sich schnell: Wenn alle leben wie wir, dann bricht das System zusammen. Um einen Chinesen mit Schweinefleisch süss-sauer satt zu machen, muss man sieben anderen den Reis wegnehmen, um das Schwein dafür zu füttern. Luxus? Den leisten wir uns schon lange.

Luxus? Den haben wir uns erarbeitet. Arbeiten. Kennen Sie doch, oder? Das ist wenn man im Schweisse seines Angesichtes Produkte oder Dienstleistungen produziert, die man dann gegen Geld tauscht und für das Geld kann man sich dann Schweinefleisch süss-sauer leisten. Und wann war das noch gleich, als wir die Patenschaft für die Erdbevölkerung übernommen haben? Erkämpft die Internationale mal wieder das Menschenrecht? Apropos Internationale, in der Sowjetunion musste jährlich Getreide hinzugekauft werden, weil die Erträge aus der Kornkammer Ukraine wegen der miesen Arbeitsproduktivität der sozialistischen Produktionsweise nicht ausreichten. Keine Spekulanten trieben da künstlich die Preise hoch. Jedenfalls nicht innerhalb des sozialistischen Lagers. Wo kommt denn unser Luxus her? Er kommt daher, dass hier Menschen wohnen, die Wissenschaft betrieben haben, die die Erkenntnisse der Wissenschaft angewendet haben. Dreifelderwirtschaft, eiserner Pflug, Einsatz von Pferd statt Ochsen als Zugmittel, Düngung, Zucht ertragreicherer Pflanzen, Dampfpflüge, Erhöhung der Arbeitsproduktivität durch fortschrittlichere Methoden in Tier- und Pflanzenwirtschaft. In anderen Ländern der Erde traben die Leute immer noch hinter dem Holzpflug her. Unsere Schuld?

Dann kommt da noch die Nachfrage nach Biotreibstoffen oben drauf. An und für sich keine schlechte Sache – bestimmte Formen von Biosprit können helfen, die Umwelt zu schützen und weltweit Einkommensquellen für arme Bauern zu schaffen. Also bitte: das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Aus diesem Mix - schrumpfendes Angebot und wachsende Nachfrage - wird durch den Börsenhebel eine Krise.

Die Bundesregierung propagiert und regelt das Tanken von aus Lebensmitteln gewonnenem Biosprit. Wir fragen nach Biosprit. Und weil wir bessere Preise bieten, als die Lebensmittelhersteller, geht der Reis in den Tank, statt auf den Teller. So wird ein Schuh daraus, Meister.

Welche Lösungen gibt es?

Kurzfristig kann die EU wieder mehr Nahrungsmittel produzieren – macht sie auch, in diesem Jahr gibt es keine Flächenstillegung mehr, das bedeutet bis zu zehn Prozent mehr Getreide. Aber egal wie man es wendet: Das Angebot wird nicht so wachsen können wie die Weltbevölkerung. Schon jetzt werden die letzten Urwälder gerodet.

Die letzten Urwälder werden gerodet, um unsere Nachfrage nach Biosprit zu bedienen. Und sie werden gerodet, weil sich anderswo die Landwirtschaft nicht weiterentwickelt hat. Unsere Schuld? Sind wir verantwortlich für den afrikanischen oder südamerikanischen Bauern, die nach urururururugroßväterweise produzieren? Ich denke nicht.

Hunger bekämpfen heißt Armut bekämpfen

In der Konsequenz bedeutet das: Nahrungsmittel werden teuer bleiben und teurer werden. Das ist nicht nur schlecht, denn sie waren lange viel zu billig – auf Kosten der Umwelt und der Menschen in Entwicklungsländern.

Also bitte, erst ist es schlecht, wenn sich der arme Einwohner aus Entwicklungslandien sein Essen nicht kaufen kann und nun ist das sogar gut? Haben wir den Markt immer noch nicht begriffen? Produzenten verkaufen ihre Ware dem, der den besseren Preis zahlt. Und sollten das die Chinesen sein, die auf die ganzen Moralpredigten übersatter SWR-Mitarbeiter pfeifen, dann hungert der Einwohner aus Entwicklungslandien weiter, bis er Produkte anbieten kann, die die Chinesen wollen, gutes Geld dafür zahlen, und er sich davon auch etwas kaufen kann. Ein schönes Steak zum Beispiel.

Wer Hunger bekämpfen will, muss Armut bekämpfen. Langfristig wird das dazu führen, dass sich immer weniger Menschen Fleisch leisten können. Aber das genau ist die Chance, dass immer mehr satt werden.

Blödsinn. Wer Hunger bekämpfen will, muss den Hungernden sagen, dass sie selbst aus den Puschen kommen müssen. Er muss ihnen sagen, dass Bildung der erste Schritt ist, mehr und bessere Lebensmittel anzubauen. Er muss ihnen sagen, tut selber etwas. Er darf nicht hingehen und in die aufgesperrten Mäuler einen Löffel Reis, Weizen oder Mais nach dem anderen schieben, denn dadurch schafft der Helfende Trägheit, Abhängigkeit und die Erwartungshaltung, dass es immer so weiter geht. Und vor allem darf er nicht so tun, als sei das die Schuld Europas und der USA, dass sich der Rest der Welt nicht weiterentwickelt hat.

Stand: 14.04.2008 18:41 Uhr

http://www.tagesschau.de/inland/lebensmittelpreise20.html


3 Kommentare bis jetzt
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Und hier die lange Fassung, für Intellektuelle, die ich mir erlaubt habe, zu kommentieren(meinen Senf dazugeben)

Als einfacher Bürger reicht mir die Kurzfassung : “Westen ist bäääh!” und die Begründung wieso Westen bäääh ist : “Ist eben so, weil Bush und das Atom alles Schuld ist!”

Mit diesem Wissenstand weiss ich mich einig mit der Mehrheit der Deutschen, die endlich wieder die diesmal richtige und gerechte linke Politik will.

Kommentar von Prosemit April 17, 2008 @ 6:26 Uhr vormittags

…stimmt, ich kann das gutmenschliche Gejammer
der Qualitätsöffentlichkeit auch schon lange nicht mehr hören. Mir gehen die Suaden von Leuten, die Fleisspünktchen in ihrem Politkurs dafür bekamen, dass sie Palitücher trugen und den Unfrieden in der Welt immer da verorteten, wo die Aufklärung besonders weit gekommen war. … und habe diese ganze Gutmensch-Diskussion um Hunger und Durst einmal regelrecht von vorene bis hinten selber durchlebt , und dann x-mal theoretisch über mich ergehen lassen. Langsam langt es wirklich . Denn das Fazit ist immer das gleiche : zu viele Menschen. - einfach zu viele Menschen.
Schon seit Jahrzehnten.

Hoimar von Ditfurth, der intelligente Vater von 2 Calamity-Blagen , bekam deswegen vor x Jahrzehnten Prügel ohne Ende, weil er sagte, dass jede Mark , die man in die Hungernden in Afrika reinpumpte wegen des Geburtenüberschusses in 20 Jahren 5 Mark verlange . Und deswegen stellte er in den 80er Jahren schon die ganze Entwicklungs- und 3.Welthilfe-Industrie in Frage. Hat der Mann Prügel gekriegt. weia…!

Die 3. Welt sollte einfach weniger vögeln
und sich stattdessen mit Sinnvollem beschaftigen, meinetwegen schöne Buschtrommeln bauen oder sie spielen. Mathematik und Physik kann man auch
mit relativ wenig Hilfsmitteln betreiben.

Und ja, es existiert da eine ungefähre 10:1 Abhängigkeit von tierischem zu pflanzlichem Eiweiss. Wenn diese Leute dann erfolgreich würden, dann sollten sie weiter bei ihrer Vegetarisch-Veganen Ernährung bleiben.
Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte ung ginge in Richtung “anderer Mensch”. Und sowas , meist von Links-Rechts-Oben diktiert, hab ich satt, wie der Hund das Steinefressen.

Kommentar von wolaufensie April 17, 2008 @ 10:42 Uhr vormittags

Weniger Vögeln wäre ja auch schon was aber das ist ein Teufelskreis. Woher sollen diese armen Menschen wissen, wo die Kinder herkommen?

Kommentar von olaf61 April 17, 2008 @ 12:41 Uhr nachmittags



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