lautete die Losung, die in der DDR ausgegeben wurde, um den Kapitalismus zu besiegen. Höhere Arbeitsproduktivität und Volkswohlstand ohne die Mechanismen des Marktes und ohne die Vertreter der führenden Klasse, der Arbeiterklasse, bei Bummelei, Pfusch oder Faulheit vor den Kopf zu stossen. Erreicht werden sollte das mittels intensiver Gehirnwäsche durch die Medien, gegenseitige Selbsterziehung und jede Menge hochgepuschter Vorbilder. Wäre das Sozialexperiment DDR nicht 1989 von ihren Einwohnern beendet worden, würden wir heute immer noch versuchen, die Bundesrepublik Deutschland zu überholen. Nur bei noch schlechteren Bedingungen. “Überholen ohne Einzuholen”, das ist die orginelle Idee, die die Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch unter anderem hatte, um auf der Klaviatur des jammernden aber dennoch wertvollen Ossis zu spielen(als Ossi darf ich Ossi sagen).
Unter diesem Motto fand auch ein Vergangenheits, verzeihung, Zukunftskongress der DIE LINKE statt. Folgende kühne Thesen stellte die Partei auf. Die Putzigsten davon:
Die Ostdeutschen bewerten die Deutsche Vereinigung differenziert, indem sie die neu gewonnene Freiheit ins Verhältnis zu den immer größer werdenden Verlusten setzen. Denn die Kehrseite der Einheit sind Arbeitsplatzverlust, dauerhafte soziale Unsicherheit, Verluste an Lebensqualität durch Abwanderung und eine Ausdünnung der Infrastruktur bis hin zu Ärztemangel. Aus dieser kritischen Betrachtung der DDR-Vergangenheit und der Gegenwart entwickelt sich ein wiedergewonnenes Selbstbewusstsein der Ostdeutschen.
Genau! Lieber eine moderate Diktatur unter Führung der DIE LINKE, dafür Vollbeschäftigung, kostenlose Gesundheitsversorgung und natürlich ein neues Ministerium für Staatssicherheit, solange, bis die Staatsverschuldung Deutschlands so gross ist, dass gar nichts mehr geht und dann bitten wir Dänemark oder die Schweiz, sich mit uns zu vereinen und zu sanieren.
Deswegen müssen wir im Osten überholen, also neue Wege einschlagen, ohne den Westen einzuholen, also nicht die gescheiterten westdeutschen Strukturen weiter nachahmen. Aber neue Wege erfordern politischen Willen zur regionalen Förderung, zur Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der sozialpolitischen und kulturellen Infrastruktur und zum sozial verträglichen Stadtumbau. Da viele Probleme im Osten besonders gravierend auftreten, muss Ostdeutschland Vorreiter für die Erarbeitung von alternativen Entwicklungspfaden sein wie regionalen Wirtschaftskreisläufen, öffentlich geförderter Arbeit besonders für Langzeitarbeitslose oder einer Energiewende durch Erneuerbare Energien.
Zusammengefasst, wir, DIE LINKE, wollen mehr Geld, weil wir auch wieder mal so richtig herumexperimentieren wollen, schliesslich liegt 1989 schon einige Zeit zurück. Und wer soll es bezahlen? Die gescheiterten westdeutschen Strukturen mit ihren westdeutschen Arbeitern, Angestellten und Unternehmern. Die Gescheiterten? Wieso gescheitert? Wenn ich heute einen Badewannenstöpsel brauche, dann muss ich nicht kreuz und quer durch das Land reisen. Wenn ich ein Auto kaufen will, dann gehe ich zum nächsten Autohändler und kann es gleich mitnehmen, wenn ich will. Gescheitert? So habe ich mir übrigens Solidarität schon immer vorgestellt. Nimm denen, die hart arbeiten und sag ihnen, dass sie gescheitert sind und dann wirf ihr Geld zum Fenster hinaus. Wie soll das eigentlich mit den regionalen Wirtschaftskreisläufen klappen? Durch Auflagen an die Unternehmen, ihre Rohstoffe nur noch aus der Region zu beziehen? Und wenn die woanders ihr Zeug billiger kriegen? Gibt es dann auch einen Kaufzwang für den Bürger? Nicht mehr das Preiswerte, sondern das Regionale? Und was ist mit E-Bay? Fragen über Fragen.
Die Bundesregierung hat den Osten für erledigt erklärt und handelt ost-blind, denn aktuelle Reformen und Gesetze wirken sich im Osten oft besonders negativ aus.
Vorschlag für das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, die Herkunft aus den Ländern Mecklenburg-Vorpommern bis Thüringen wird zur Ethnie erklärt oder es wird neben dem Zentralrat der Muslime und Juden auch ein Zentralrat der Ostdeutschen ins Leben gerufen, mit Oskar Lafontaine an der Spitze. Der hat dann die Aufgabe, jeden Fall von Ostdeutschendiskriminierung durch Bundesreformen oder Gesetze scharf anzuprangern, die Ostdeutschen als die neuen Juden zu bezeichnen, vor einem Holocaust an den Ostdeutschen zu warnen oder wahlweise beleidigt zu gucken.
Der bisherige Nachbau westdeutscher Strukturen kann den zukünftigen Anforderungen an eine Wissensgesellschaft im Osten nicht gerecht werden. Aber es gelingt weder Politik noch Medien, ostdeutsche Errungenschaften wie das Schulsystem der DDR mit seinem Anspruch und Angebot des zehnjährigen gemeinsamen Lernens sowie seinem zentralen Lehrplan nüchtern und unideologisch zu betrachten.
Nüchtern und unideologisch betrachtet, hatte das DDR-Schulsystem nie mit einem hohen Anteil von Schulkindern zu tun, die nicht deutsch sprechen konnten, es förderte weder kritisches und selbständiges Denken und es war eingebettet in eine Diktatur, die dafür sorgte, dass dem Lehrer Respekt entgegengebracht wurde. Nur soviel zur Besoffenheit durch Ideologie. Und Wissensgesellschaft, wenn ich das schon höre, das ist genau so eine Phrase wie erneuerbare Energien. Aber immer schön leeres Stroh dreschen, das macht Eindruck.
Denn viele ostdeutsche Vorbilder wie das umfangreiche Kinderbetreuungsangebot oder eine flächendeckende medizinische Versorgung durch Polikliniken und Gemeindeschwestern, so zeigen es neu geschaffene Modellprojekte, können der ganzen Republik zugute kommen.
Und natürlich hätten das die gescheiterten Strukturen im Westen zu bezahlen, stimmts? Denn irgendwo muss das Geld ja dafür herkommen. Natürlich könnten die Unternehmen auch alle verstaatlicht werden aber ohne die Sowjetunion als Stütze, würde dieses Modell nicht mal 40 Jahre durchhalten. Kuba lässt schön grüssen.
Dennoch ist Ostdeutschland heute Vorbild bei der Nutzung Erneuerbarer Energien. Weil sich die Menschen flexibel auf neue Anforderungen eingestellt haben, wurden im Osten wirtschaftliche Zukunftsfelder beispielhaft erschlossen.
Aber nur, weil die Nutzung erneuerbarer Energien staatlich subventioniert wird, wie in der DDR das Wohnen, der Brotpreis oder das Bahn fahren. Und wenn es Subventionen gibt, dann greift der Mensch zu, wenn nichts anderes da ist. Denn er wäre ja blöd, würde er das nicht tun. Und so wurde das Brot an die Hühner und Schweine verfüttert, wegen der geringen Mieten verfiel die Bausubstanz und über das Fahren in den Reichsbahnwaggons will ich lieber gar nichts sagen. Im Winter erfror man wahlweise auf den Sitzen oder man wurde gedünstet.
Und so geht es zügig weiter im Text. Eigentlich hat es mir bis hierhin schon gereicht aber wer den Rest des phantastischen Werkes noch lesen möchte, wie sich DIE LINKE die Welt vorstellt, hier steht der ganze Text. Und so etwas will ernst genommen werden.
http://www.gesine-loetzsch.de/kat_bundestag_detail.php?v=4111
7 Kommentare bis jetzt
Einen Kommentar schreiben
Einen Kommentar schreiben
Zeilen- und Absatzumbrüche automatisch, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt, HTML-Tags zulässig:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*schmunzel*
So kann nur jemand kommentieren, der den realen Sozialismus mit wachen Augen selbst erlebte.
Ich habe die DDR auch vor 89 als “Wessi” intern erlebt. Die Meisten haben keine Vorstellung mehr, wie kaputt und bankrott das System war. Man konnte praktisch frisch “bombardierte” Industriegebiete oder Wohngegenden besichtigen.
Kommentar von Prosemit April 27, 2008 @ 7:45wie war das ?
Kommentar von hook April 27, 2008 @ 7:56der kapitalismus steht am abgrund ,wir sind schon einen schritt weiter !
oder ,im kapitalismus wird der mensch durch den menschen ausgebeutet ,im sozialismus ist es umgekehrt !
volksmund tut wahrheit kund .
aber die gescheiterten strukturen kann ich bestätigen stichwort “schulden-bremen “.
Kommentar von hook April 27, 2008 @ 8:00lange geht das nicht mehr gut ,zumal bm. börnsen eine pfeife ist und eigentlich beckmann die fäden zieht .jemand von dem der kölner klüngel noch was lernen kann . spd-kotz !!!
Mich widern diese Luftschlössererbauer nur noch an. Nichts aus der Geschichte gelernt und davon noch die Hälfte vergessen.
Kommentar von olaf61 April 27, 2008 @ 8:03Mich widern diese Luftschlössererbauer nur noch an. Nichts aus der Geschichte gelernt und davon noch die Hälfte vergessen.
Mich wundert dieses kollektive Amnesie.
Erstaunlich wie schnell man alle unangenehmen Seiten des Lebens vergisst. Übrig bleiben romantische Abend mit Freunden auf selbst gemalten Spielbrettern spielend, stundenlang diskutierend Angesetzten trinkend und zur Feier eine Tasse echten Kaffees.
Kommentar von Prosemit April 27, 2008 @ 8:09vorige woche gab es eine bild mit dem thema “ich war gerne ddr bürger !”
Kommentar von hook April 27, 2008 @ 8:13die üblichen verdächtigen kamen zu wort ,ein wessi zeigte mir den scheiss und ich fing an .
18 jahre aufs auto warten ,nur zweimal im jahr bananen und apfelsinen ein gewerkschafter spd wähler und langjähriger ossi stöhnte :das war doch nicht alles ! nein das war nicht alles konterte ich und fing mit den westverwandten an die man nicht besuchen durfte und die man heimlich in der tschechei oder in ungarn traf ,er stand auf und ging raus ,wollte es einfach nicht hören .
die roten wollen es einfach nicht wissen ,darum ist auch jede diskussion mit denen sinnlos und führt zu nichts .
Die Wahrheit hört keiner gern. Die blenden alle die ungeheure Produktivität des Kapitalismus aus. Stand ich mit meiner 79jährigen Mutter vor dem Käseregal. So viele Sorten und so viele nicht probiert, wunderte sie. Und ich, siehst du, deswegen leben die Alten heute auch länger, um mal alles zu kosten, was heute so in den Regalen liegt. Nicht, dass es nachher heisst, man ist tot und hat nicht alles probiert.
Kommentar von olaf61 April 27, 2008 @ 8:20