Die DDR lebt!


Königskinder
April 29, 2008, 6:10 Uhr vormittags
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Dieses Lied hat mir meine Oma und meine Mutter oft vorgesungen. Damals, als man noch wusste, dass Singen etwas mit dem Mund zu tun hat. Ja, wie komme ich jetzt darauf? Als ich diese Geschichte bei PI las - “ein irakisches Mädchen hatte sich in einen britischen Soldaten verliebt. Diese Liebe ist ihr jetzt zum Verhängnis geworden. Sie wurde von ihrem Vater deswegen auf brutalste Weise getötet - angeblich um seine “Ehre” wiederherzustellen.” - fiel mir das Lied spontan ein. Tja, früher mussten das noch die Nonnen tun, Liebende in den Tod stossen.

Da Nonnen in Europa fast verschwunden sind, sind wir dankbar, Angehörige einer anderen Religion hier zu haben, die das tödliche Geschäft jetzt erledigen und damit immer für Volksliederstoff sorgen. So bleibt uns die finstere Zeit, als aus Ehre gemordet und duelliert wurde, auch künftig erhalten.

Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb;
sie konnten zusammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief.

»Ach Liebster, könntest du schwimmen,
so schwimm doch herüber zu mir!
Drei Kerzen will ich anzünden,
und die sollen leuchten zu dir.«

Das hört ein falsches Nörnchen,
die tät als wenn sie schlief;
sie tät die Kerzlein auslöschen,
der Jüngling ertrank so tief.

Es war an ei’m Sonntagmorgen,
die Leute waren alle so froh;
nicht so die Königstochter,
ihre Augen saßen ihr zu.

»Ach Mutter, herzliebste Mutter,
mein Kopf tut mir so weh!
Ich möcht so gern spazieren
wohl an die grüne See.«

»Ach Tochter, herzliebste Tochter,
allein sollst du nicht gehn,
weck auf dein jüngste Schwester,
und die soll mit dir gehn!«

»Ach Mutter, herzliebste Mutter,
meine Schwester ist noch ein Kind,
sie pflückt ja all die Blümlein,
die auf Grünheide sind.«

»Ach Tochter, herzliebste Tochter,
allein sollst du nicht gehn,
weck auf dein jüngsten Bruder
und der soll mit dir gehn!«

»Ach Mutter, herzliebste Mutter,
mein Bruder ist noch ein Kind,
der schießt ja all die Vöglein,
die auf Grünheide sind.«

Die Mutter ging nach der Kirche,
die Tochter hielt ihren Gang,
sie ging so lang spazieren,
bis sie den Fischer fand.

»Ach Fischer, liebster Fischer,
willst du verdienen groß Lohn,
so wirf dein Netz ins Wasser
und fisch mir den Königssohn!«

Er warf das Netz ins Wasser,
es ging bis auf den Grund;
er fischte und fischte so lange,
bis er den Königssohn fand.

Sie schloß ihn in ihre Arme
und küßt seinen bleichen Mund:
»Ach Mündlein, könntest du sprechen,
so wär mein jung Herz gesund!«

Was nahm sie von ihrem Haupte?
ein goldne Königskron:
»Sieh da, du wohledler Fischer,
hast dein verdienten Lohn!«

Was zog sie von ihrem Finger?
ein Ringlein von Gold so rot:
»Sieh da, du wohledler Fischer,
kauf deinen Kindern Brot!«

Sie schwang sich um ihren Mantel
und sprang wohl in die See:
»Gut Nacht, mein Vater und Mutter,
ihr seht mich nimmermehr!«

Da hört man Glöcklein läuten,
da hört man Jammer und Not,
hier liegen zwei Königskinder,
die sind alle beide tot.

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=137&kapitel=2&cHash=6e938b53912kinder#gb_found


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