Die DDR lebt!


Kornblume
Mai 11, 2008, 11:00 Uhr vormittags
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Ich wusste gar nicht, dass die schon da sind, die Kornblumen. Dabei ist das Korn noch so lütt. Und der wilde Mohn blüht auch schon. Ist das nicht beängstigend? Die Libellen sind ebenfalls unterwegs, magere schwarze Dinger. Kein Vergleich zu später.


10 Kommentare bis jetzt
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In diesem Jahr hab ich sogar welche in Töfchen vorgezogen und bereits ausgepflanzt. Mal schauen was dabei herauskommt. Die Sämereien gibt es im gut sortierten Fachhandel.

Kommentar von pippin Mai 11, 2008 @ 1:48 Uhr nachmittags

Kornblumen? Mohn? Libellen?

Kommentar von olaf61 Mai 11, 2008 @ 6:11 Uhr nachmittags

Kornblumen. Mohn habe ich nicht angebaut. Ich möchte ja nicht, dass die Nachbarn schlecht über mich denken ;-)

Kommentar von pippin Mai 11, 2008 @ 6:34 Uhr nachmittags

Wozu zieht man Kornblumen vor? Ich finde sie wunderhübsch aber ist das nicht eine Heiden Arbeit? Wo die auch im Freien aus Samen wachsen. Ich kann das schon nachvollziehen, wegen der Freude, wenn man dauernd zum Töpfchen rennt und guckt, ob schon was Grünes die Erdkruste durchbrochen hat und wie das von Tag zu Tag grösser wird und man nicht weiss, ist es Unkraut oder Kornblume. Aber es sind doch keine Tomaten.

Kommentar von olaf61 Mai 11, 2008 @ 6:46 Uhr nachmittags

Ach, ich baue im Garten alles an was ich in die Finger bekomme. Über ein Samentütchen mit Kornblumen im Handel hab ich auch gestaunt. In Töpchen mach ich so ziemlich alles was geht. Das kommt daher da ich einfach zu faul bin Unkraut zu behacken. Es gibt da
so einen kleinen Apparat, womit man Erdpresstöpfe selber machen kann. Habe ewig nach soetwas gesucht.
Früher gab es diese Dinger überall:
Erdtopfpresse
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Kommentar von pippin Mai 11, 2008 @ 8:30 Uhr nachmittags

Interessante Sache. Aber ich fürchte, ich muss dann pressen. Ich hatte mal Wildblumen ausgestreut. Das war so ein Jux von der Versicherung, Samentütchen als Werbegeschenk. Der Mohn hat sich dann gleich überall breitgemacht. Ich fand ihn hübsch, nur Muttern hat ihn rigoros rausgerissen, damit er sich nicht weiter vermehrt.

Kommentar von olaf61 Mai 11, 2008 @ 9:32 Uhr nachmittags

…weiss noch, irgendwann vor ´65 mus es gewesen sein, da wuchsen überall auf den Feldern (Klatsch)Mohn und auch jede Menge Kornblumen. In Heimatkunde lernten wir, dass Kornblumen und eben auch der Mohn Unkraut seien. Bei Kornblumen sah ich das noch ein, aber der Mohn, der der kindlichen Rot-Vorliebe dermassen entgegenkommt, da wurde es schon schwieriger.
Wenn Mohn und Kornblumen wachsen wird die Ernte versaut, hiess es. Und ich stand plötzlich in der Zwickmühle weil ich Mohn wirklich mochte, und das wohl das erste Kunstverständnis war, das sich regte. ….und mir dagegen die Ernte egal war. Somit wurde Unkraut Mohn für mich der erste grösseren innere Widerstand gegen allgemeine Gebote von Erwachsenen. Kornblumen waren mir da total schnuppe. …..und Päng, - plötzlich vielleicht so ´67 gab es keine Kornblumen mehr. …Und Mohn nur noch manchmal an Wegesrändern. Über letzteren freute ich mich dann sehr ihn alle paar Jahre mal zu sehen. Die Mohnlobby in den Gärten war wohl auch schon immer etwas grösser gewesen als die von anderen Unkräutern. Das ratzekahle Fehlen von Kornblumen fiel mir erst Jahre später auf. Wahrscheinlich erst so ab 79, da sah ich ganz vereinzelt welche und die Erinnerungen daran stürzten plötzlich auf mich ein, mit einem Gefühl von was Fehlendem ….und ich fand sie auch wunderbar anzuschauen. Der Sinn für nicht ganz so ruppige Eindrücke wie knallrote Mohn-Blüten hatte sich wohl heimlich und unmerklich über die Jahre eingeschlichen und fiel mich nun wie ein Tiger an. Wie ein Süchtiger hing ich an der Autoscheibe und sah den Blüten hinterher. ….und dachte :”So ein Scheiss, jetzt wird es wahrscheinlich wieder Jahrzehnte dauern, bis dass ich Kornblumen, dies Unkraut, noch mal sehe, vielleicht auch nie wieder.”
Naja, anderen Menschen ging es wohl so wie mir, denn anders ist die Möglichkeit, dass “Unkraut” nun in Tütchen zu kaufen ist, nicht zu verstehen. Tendiere bei Blumen sowieso eher zu den “einfachen” Dingern, - bin da ein Fan von “Unkraut”. …wie auch beim Essen, allerdings
ist man dann ein waschechter “Kraut”.
Wusste bis vor ein paar Jahren nicht, immerhin fast 40, dass Weisskohl eine unfeine Mahlzeit ist. Irgenwann zu Silvester wollte ich mal für eine Bekannte und mich ein Silvesteressen machen. Naja, ich machte das , was ich mit am liebsten mochte, Weisskohl mit Kartoffeln. Herrje, gab das ein Trara. Mir wurden schlechte, gar beleidigende Absichten unterstellt. So einen Aufstand, und solch eine Erkenntnis für mich. Naja, ….solche Probleme hab ich zum Glück wahrscheinlich nie mehr, ….und die damalige Bekannte wohl auch nicht . :)

Kommentar von wolaufensie Mai 12, 2008 @ 3:10 Uhr vormittags

Inzwischen sind die Felder wieder voll davon, zur Erntezeit. Voller Mohn und Kornblumen. In der DDR gab es allerdings auch kein Mangel daran. Vorm Hause der Grosseltern gab es einen grossen LPG-Acker, der mal mit Mais oder mit Weizen bestellt war. Oder wars Roggen? Jedenfalls was mit Grannen. Und im Sommer, war das Getreide dann toll mit diesen Blumen durchsetzt und strömte in der Mittagshitze einen eigenartigen staubigen Duft aus. Es gibt da auch diese Sage von der Roggenmume, einer unwirschen Dame, die Kindern, die ins Feld gehen, den Hals durchschneidet.

Weisskohl ist was Leckeres. In Kohlsuppe könnte ich versinken und für Kohlrouladen liesse ich mich in Stücke hacken. Aber erst nach dem Essen.

Kommentar von olaf61 Mai 12, 2008 @ 4:19 Uhr vormittags

…au ha, die Roggenmume war für mich so eine Art
Stephen Kingscher Pennywise auf weiblich. War das ein Viech, das da inmitten des Feldes lauerte, ach was sag ich Mitte, ganz nah am Rand, wo man sie so gerade nicht sehen konne, ging sie immer parallel zu einem mit. Am besten man ging noch weiter mitten auf der Strasse, damit sie einen nicht noch reinzöge. So ein Monster. Einige von den Grösseren
gingen trotzdem mal etwas ins Korn rein, und in meiner Phantasie waren sie Vergangenheit, ein Biest mit riesigen Zähnen und übernatürlicher Stärke würde sich in jedem Moment auf die stürzen und sie zerreissen. Mann war das spannend. Damals war der Alltag echt unterhaltsamer als heute. :)
Und irgendwann verlor sie sogar ihren matriarchalen Schrecken. Mit der Roggenmume war die Emanzipationsbewegung bei uns im Dorf (für mich) von Null auf Unendlich in ein paar Sekunden hochgefahren. Ganz schön schrafer Besen, diese Roggenmume… :D
ich glaube, sie hatte eine kleine Ähnlichkeit mit Claudia Roth.

Kommentar von wolaufensie Mai 12, 2008 @ 7:02 Uhr vormittags

Na, was sich alles aus einer simplen Kornblume so entspinnt. Mein Bild von der Dame war von einer Illustration vorgeprägt, da war sie eher streng und hager. Aber gruselig war es schon, um die Mittagszeit bin ich dem Feld lieber ferngeblieben. Gerade bin ich froh von einer Fahrt durch die Felder zurück. Immer auf den landwirtschaftlichen Wegen und mehrmals im Kreise. Das nächste Mal nehme ich einen Satz Raketen mit, um Notsignale abschiessen zu können, denn natürlich kannte ich die Wege nicht. Putzig. An einem Minidorfende ein Gedenkstein, der stand wohl schon immer da, aber verziert mit einer nagelneuen Gedenkplakette, die wohl den Kaiser Wilhelm darstellen soll. Darüber “Deutsch Denken und Deutsch handeln”. Die sind nicht nur in die bürgerliche Republik, sondern gleich ins Kaiserreich zurückgeplumpst.

Kommentar von olaf61 Mai 12, 2008 @ 7:58 Uhr vormittags



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