Gespeichert unter: Politik | Schlagworte: Abrechnung, Die Linke, Krause, PAZ
Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
…denn die Linkspartei von heute hat sich schließlich demokratisch erneuert, wie die fortschrittlichen Kräfte schon seit der Jahreswende 1989 / 90 lehren. Was allerdings nicht heißt, daß sie ihre alten Fähigkeiten in der Reinerhaltung der politischen Landschaft verlernt hätte. Jüngstes Objekt der Vertilgung war der thüringische CDU-Politiker Peter Krause. Sein Fall soll nicht der letzte gewesen sein. „Wir werden uns um die Krauses kümmern“, lautet das Versprechen des Linkspartei-Fraktionschefs Bodo Ramelow. Krause hatte in konservativen Medien publiziert und mußte deshalb entfernt werden. Freundlicherweise begleitete ihn seine eigene CDU blockflötend zum Schafott, was die Hinrichtung enorm erleichterte und den Linken Appetit auf mehr macht. Der Ramelow-Spruch erinnert an den damaligen PDS-Bundestagsabgeordneten Gerhard Zwerenz. Der hatte in den 90ern gedroht, man werde sich die Namen derer, die ihm zu heftig gegen die PDS arbeiteten, „merken für die Zeit nach der nächsten Wende, die bestimmt kommen wird“.
Haben wir diese „nächste Wende“ womöglich schon hinter uns?
Krause jedenfalls war schon zu DDR-Zeiten als oppositionelles Element aufgefallen und hatte allein deshalb einen Platz auf Zwerenz’ Schwarzer Liste verdient. „Nächste Wende“ hin oder her, jedenfalls ist endlich die Zeit (zurück-)gekommen, in der man sich um solche Leute wieder „kümmern“ kann. Da hatte es der alte Dutschke-SDS noch weitaus schwerer. Der konnte sich bloß innerhalb der Unis um Nichtlinke „kümmern“, sie niederbrüllen oder zusammenschlagen. Erst der lange Marsch durch die Institutionen im Westen und die Vereinigung mit den 68er-Pragfahrern von der SED machten es möglich, nunmehr in allen Bereichen der Politik mit denen abzurechnen, die man sich „gemerkt“ hat. Welcher Genosse hätte sich das träumen lassen im Jahre 1989? Das Wunder der Wiederauferstehung einer längst vermoderten Revolution wurde wahr. Kontraproduktiv bei der Auferstehung der alten Geister ist indes der bestialische Gestank, den die wiedergekehrten Monstren aussenden. Ein stechender Geruch haftet an ihnen und dringt selbst durch die dicksten Wolken von Erneuerungsparfüm. Es muß nicht extra eine linke Landtagsabgeordnete daherkommen und ganz offen für eine neue Stasi eintreten. Wenn ein Zwerenz sich Namen „merkt“ und ein Ramelow sich danach um die Registrierten „kümmert“, müffelt es Mielke aus jedem einzelnen ihrer Worte. Das bringt bisweilen Probleme mit sich, denn die Nasen mancher Deutscher sind noch nicht hinreichend betäubt, um den Gifthauch zu überriechen. Sie erkennen die alten Geister noch zu gut und erinnern sich. Da hilft nichts anderes, als solchen Leuten verschärft eins mit der Nazikeule auf den Zinken zu geben. Das gelingt recht gut, zumal sich wie im Fall Krause die SPD gern als Co-Schläger verdingt und die CDU im Hintergrund wirkt, indem sie dem Geprügelten den Teppich wegzieht. Für eine erfolgreiche Kampagne bedarf es gefügiger Hilfstruppen.
Das Prozedere nennt sich „Kritik und Selbstkritik“ und funktioniert so: Erst kommt die Anklage von ganz oben (Linkspartei), dann empört sich die übrige Belegschaft (SPD), darauf schließlich nehmen die eigenen Kollegen (CDU) den Bloßgestellten (Krause) in die Mangel und signalisieren ihm, daß er klein beigeben und sich gesenkten Hauptes in sein Loch verziehen solle, um Schaden von ihrem Kollektiv abzuwenden. Daß er schuldig ist, steht von der ersten Minute an sowieso fest…
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