Der Weg ins Leben

A. S. Makarenko: “Ich fordere Dich, weil ich Dich achte.”
Das Buch ist eines meiner Lieblingsbücher. Es geht um den Aufbau einer Kolonie für elternlose Kinder mitten- und nach dem Bürgerkrieg in der Sowjetunion. Die ersten Kapitel sind wirklich sehr hart und deshalb habe ich eines ausgewählt, als das Verhältnis Erzieher und Kinder geklärt war. Wobei die Kinder immer feste gestohlen und geraubt hatten, also das waren, was man heute Intensivtäter nennt. Aber damals war die Lage anders, da ging es für sie ums Überleben.
Scharin rechnet ab
Nach und nach geriet “unser schönstes” in Vergessenheit, ebenso wie der Typhus und der Winter mit erfrorenen Füßen, Holzhacken und Eisbahn, aber im Volksbildungsamt konnte man meine Araktschejewschen Thesen* über Disziplin nicht vergessen und schlug gegen mich auch einen beinah araktschejewschen Ton an: “Wir werden Ihren Gendarmenexperimenten einen Riegel vorschieben. Sie sollen eine Anstalt mit sozialer Erziehung schaffen und keine Folterkammer.” In meinem Vortrag über Disziplin hatte ich mir erlaubt, die damals allgemeingeltenden Anschauungen anzuzweifeln,dass man durch Strafe lediglich Sklaven erziehe, daß man dem Schopferischen im Kinde unbegrenzt freien Spielraum gewähren und sich vor allem auf die Eigenorganisation und Selbstdisziplin der Kinder verlassen müsse. Ich erlaubte mir, dem die für mich unzweifelhaft richtige Behauptung entgegenzustellen: Solange noch kein Kollektiv und keine Organe des Kollektivs geschaffen sind, solange es weder Traditionen gibt noch die elementaren Arbeitsgepflogenheiten und Verhaltensweisen des täglichen Lebens anerzogen sind, hat der Erzieher das Recht, Zwang auszuüben, und darf nicht auf dieses Recht verzichten. (mehr…)
Mädchenhandel

Für 3,25 € habe ich heute die fremde Braut erworben. Bei meinem Händler, der von sich sagt, “Wir lieben Lebensmittel.” Ein wahres Schnäppchen. Ich wette, Bundesinnenbeschwichtigungsminister Dr. Wolfgang Dingsbums kennt das auch noch nicht. Vielleicht ein Lesetip für ihn? Ich hoffe, das Buch verhetzt mich nicht völlig. Habe deshalb beim Lesen schon immer “Islam ist Frieden und Freiheit” vor mich hingesprochen, bis ich merkte, dass ich alleine an der Kasse stand, die Leute waren alle verschreckt davongelaufen. So hat das auch sein Gutes.
Kriegstagebücher

Am 21. Juni wurde ich ins Rundfunkkomitee gerufen und beauftragt, zwei antifaschistische Lieder zu schreiben. Daraus schloß ich, daß der Krieg, mit dem wir alle im Grunde genommen rechneten, sehr nahe war. Daß der Krieg bereits ausgebrochen war, erfuhr ich anderntags erst um vierzehn Uhr. Den ganzen Vormittag des 22. Juni hatte ich an Gedichten gearbeitet und war nicht ans Telephon gegangen. Als ich dann den Hörer abhob, war das erste, was ich hörte: “Es ist Krieg.” Ich rief unverzüglich in der Politverwaltung an. Mir wurde gesagt, ich solle gegen fünf noch einmal anrufen. Ich ging durch die Stadt. Die Menschen hasteten vorbei, dem äußeren Anschein nach jedoch war alles ruhig. Im Schriftstellerverband fand ein Meeting statt. Eine Menschenmenge hatte sich im Hof eingefunden. Darunter viele, die so wie ich erst vor ein paar Tagen aus Ausbildungslagern zurückgekehrt waren, wo sie an einem Lehrgang für Militärkorrespondenten teilgenommen hatten. Jetzt wurde hier im Hof verabredet, gemeinsam an die Front zu fahren, sich nicht zu trennen. In der Folgezeit stellten sich alle diese Abmachungen natürlich als naiv heraus, und wir fuhren nicht an einen bestimmten Ort und auch nicht auf die Weise, wie wir es uns vorgestellt hatten. (mehr…)
Königgrätz 1866

Vor 142 Jahren, um diese Zeit, tobte der Preussisch-Österreichische Krieg. Im Vorwort dieses spannend geschriebenen Buches heisst es unter anderem: Nach dem preußischen Sieg von 1866 war es Österreich nicht länger möglich, sich einer Einigung der deutschen Staaten unter Führung Preußens entgegenzustellen. Die Schlacht war somit der erste Schritt zur Schaffung eines deutschen Reiches, die mit dem Sieg über Frankreich 1870/71 abgeschlossen war. Während seiner kurzen Lebensdauer brachte dieses Reich seinen Bürgern eine Vielzahl materieller und geistiger Errungenschaften; und betrachtet man die Leistungen seiner Künstler und Dichter, Musiker und Philosophen, Wissenschaftler und Ingenieure, so hat wohl auch die übrige Welt davon profitiert. Mich hat dieses Buch fasziniert, weil Geschichte in der DDR, sich zum grössten Teil in dieser Zeit nur um die Pariser Kommune drehte und den Kampf der Sozialdemokratie gegen das Sozialistengesetz. Hängen geblieben ist aber, dass in diesem Krieg der preussische Schulmeister siegte. Hier ein Auszug: (mehr…)
Die Borniertheit der Sozialisten

Morgen wird wieder an den Arbeiteraufstandes in der DDR erinnert, wobei mich immer irritierte, weshalb gerade die Bundesregierung den Jahrestag eines Arbeitskampfes gegen zu hohe Normen, zu geringe Löhne und Preiserhöhungen so begeistert zelebriert hat. Wahrscheinlich, weil es nicht die Arbeiter im eigenen Staat waren, die auf der Strasse herumrandalierten. Jedenfalls gibt es eine Menge Mythen um diesen Tag. Stefan Heym hat über diese Zeit ein sehr gutes Buch geschrieben, das wirklich zu empfehlen ist, was ich hiermit tue. Die Hervorhebungen im Text sind von mir.
Man sprach wieder von Alltäglichem. Kallmann schloß die Augen. Die Marmeladenpreise waren erhöht und vor wenigen Tagen wieder herabgesetzt worden; Pietrzuch hatte einen Vetter, bei dem hatten sie die Steuern aufs Häuschen zwangsweise eingetrieben; und der Frau, die den Blumenladen am Friedhof betrieb, waren die Lebensmittelkarten entzogen worden, jetzt mußte sie das Vielfache zahlen für alles; und was gab es schon in den Läden; und Wohnungen, nicht dran zu denken; aber Csiseks Nachbar war eingelocht worden, weil er ein paar Dutzend Eier nach West-Berlin verbrachte, so was nannte sich Arbeiterregierung, in großen Limousinen herumfahren, das konnten sie; das müßte sich alles ändern. Ändern, dachte Kallmann: und dann?
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Merci Kamerad

Es gab nur wenig DDR-Literatur, die sich mit der Westfront beschäftigte, als Belletristik. Stefan Heym, “Kreuzfahrer von Heute”. Gerhard Grümmer. Günter Hofe. Hier ein Auszug aus “Merci Kamerad”.
Bereits am frühen Nachmittag des 5. Juni 1944 hatten Flottillen britischer Minenräumboote begonnen, breite Fahrrinnen durch den Kanal nach Süden zur Seinebucht frei zu machen. Von niemand bemerkt. Hinter ihnen schob sich aus Falmouth, Plymouth, Salcombe, Dartmouth, Portland, Southampton, Newhaven, Harwich und vielen anderen englischen Häfen Schiff um Schiff in die unruhigen Wasser hinaus, in zwei Geleitzugbahnen zunächst parallel der Küste nach Osten, als wäre die engste Stelle des Kanals das Ziel. Die Schiffe erreichten bei Dunkelheit den Bereitstellungsraum unter der Insel Wight, wurden im sogenannten Piccadilly Circus sortiert und zusammengestellt, drehten auf Süden ein und zogen in fünf zwischen von Bojen markierten Bahnen Richtung Frankreich.
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Fool on the Hill(Matt Ruff)

Letztens, als ich so mit dem Rasenmäher durch das Gras fuhr, kam mir dieses Buch wieder in den Sinn. Ich hatte es vor gut zehn Jahren zum letzten Male gelesen und jeder, der Herr der Ringe liebt und andere phantastische Literatur, wird es mögen. Ja, was schoss mir da so durch den Kopf? “Rasferret, der Engerling”. Hört sich nicht irgendwie nach etwas an, das der Gärtner mag. Oder?
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Enten und Mond

Der Abendnebel stieg aus den Wiesen. Es dunkelte, und der Mond hing über dem Kahlschlag. Wildenten flogen vom See herüber, Entenfamilien, fliegende Winkel. Sie flogen aufs goldene Mondhorn zu und lösten sich auf im Nebel der Wiesen. Es war, als habe der goldene Mond allen Enten etwas versprochen.
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Die Sucht, umzubenennen

So um 1990 brachte Bastei-Lübbe Fortsetzungsromane von Bernard Cornwell heraus, die die “Abenteuer” eines Richard Sharpe in Wellingtons Spanienarmee und zum Schluss in Waterloo schilderten. Ich war damals total begeistert. Was mich aber immer ärgerte, es wurde in den Büchern auf das Vorleben des Romanhelden in Indien angespielt. Vorgestern bekam ich nun “Sharpes Feuerprobe” in die Hand und siehe da, es war ein Indienroman. Nach dem Lesen schaue ich auf den Klappentext und entdecke den englischen Titel. “Sharpes Tiger”. Das hat mich schon geärgert. Gestern Abend führe ich mir den Anfang von “Bloody Mary” zu Gemüte und sehe, der englische Titel lautet “Innocent Blood”. Also unschuldiges Blut. Und jetzt die Frage, wozu, verdammt noch mal, müssen plausible Buch- oder Filmtitel umbenannt werden? Ich habe mich letztens schon geärgert, als “Teheran 43″ mit dem Namen “Killer sind immer unterwegs” im EDEKA herumlag. Gibt es da Wettbewerbe, wer denkt sich die blödesten Namen aus? Und wird das bezahlt?
Silberhuf & “Der Himmel muss warten”

Ja, jetzt weiss ich es wieder, es ist meine kindliche Prägung, die mich dem tibetischen Aufstand skeptisch gegenüber stehen lässt. In meiner Kinderzeit fand ich in der Bibliothek zwei Bücher von Alan Winnington, “Silberhuf” und “Silberhuf zieht in den Krieg”.